Inspiriert von Monteverdi
Hans-Jürgen Thiers, Thüringischen Landeszeitung, 19.10.2010
(zum Konzert von La Chapelle Rhénane in Bad Köstritz)
Frohes Musizieren war angesagt unter Leitung von Benoît Haller, der, falls nötig, auch eine der Tenorstimmen übernahm. Dadurch aber fand der Eindruck einer modern pulsierenden Wiedergabe Unterstützung, die der von Puristen geforderten Interpretation aus Stilbewusstsein ausweicht, dafür ein Musizieren favorisiert, bei dem retrospektiv die um Ausdruck ringende Praxis einer späteren Zeit zur Anwendung kommt.
Ganz ernsthaft unorthodox
Sybille Graf, Dresdner Neueste Nachrichten, 20.10.2010
(zum Konzert von La Chapelle Rhénane in Dresden)
Was die Sänger und Instrumentalisten boten, war ein erfrischendes, ein sinnliches Gesprächskonzert. Zum einen parlierte Benoît Haller so locker, frei und unorthodox – wohlgemerkt trotzdem ernsthaft – über Schütz und sein Werk, dass in keiner Minute trockene Schulstundenatmosphäre aufkam. ... Zum anderen war da das reine Hörerlebnis dieses 2001 gegründeten und – zumal in seiner Heimat Frankreich – mit vielen Preisen geehrten Ensembles. ... Nach diesem Dresden-Debüt von „La Chapelle Rhénane“, die damit ihr letztes von vier Konzerten im Rahmen des Festes absolvierten, sagt man jedenfalls gerne „Au revoir!“. Und Lust auf noch mehr Schütz und Zeitgenossen hat man auch.
Plagiate als Zeichen der Wertschätzung
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung, 19.10.2010
(zum Konzert von La Chapelle Rhénane in Weißenfels)
Was für ein Abend! Trotz des architektonisch-geistlichen Rahmens am Samstagabend in der Weißenfelser Schlosskirche, die dank ihrer frühbarocken Architektur mit dem wunderschönen Hochaltar und Blick auf Bachs Orgel den hervorragenden Rahmen für dieses Konzert lieferte, ließ sich das begeisterte Publikum bereits nach dem zweiten Stück zu spontanem Applaus hinreißen. Und der kam nach diesem "Halleluja" völlig zu Recht. Erstmals präsentiert das Heinrich-Schütz-Musikfest einen Artist in Residence und hat mit der elsässischen Chapelle Rhénane unter ihrem Gründungsleiter Benoît Haller den idealen Partner gefunden. Selten hört man die für den Barock typischen, dynamisch-drängenden Impulse so klar akzentuiert, so konsequent zu Ende gedacht.
Madrigale finden ihre Fans
Cornelia Fuhrmann, Mitteldeutsche Zeitung, 24.10.2010
(zum Konzert des Ensembles amarcord in Weißenfels)
„Die Resonanz ist toll, mit soviel Leuten hatten wir nicht gerechnet“, freute sich Henrike Rucker vom Weißenfelser Heinrich-Schütz-Verein beim Anblick der vollen Bänke in der Schlosskirche Sankt Trinitatis auf Neu-Augustusburg. Immerhin sei die Veranstaltung, die am Samstagabend stattfand, schon „sehr speziell“ gewesen, insbesondere für jene, die nur selten klassische Musik hören. Das „ensemble amarcord“ aus Leipzig brachte dem Publikum so genannte Meister-Madrigale - mehrstimmige, ausgeschmückte Gesänge auf der Basis von Gedichten – zu Gehör
und hatte sich dazu auch die beiden Sopranistinnen Ina Siedlaczek aus Paderborn und Maria Skiba aus Berlin eingeladen.
Ein Viertel mehr Besucher
Cornelia Fuhrmann, Mitteldeutsche Zeitung, 25.10.2010
Christina Siegfried selbst zeigte sich "sehr zufrieden" mit dem Festival. "Der Neustart ist gelungen, es ist sozusagen ein Traum wahr geworden, und er ist eine Gesamtleistung aller Beteiligten", freute sie sich. Die Neuorientierung sei als Sicherungsmaßnahme notwendig gewesen und die sehr gute Zusammenarbeit aller Mitstreiter sei eine Stärke, die das Fest habe. "Der Zeitraum ist überschaubar und damit entfallen mehrmalige teure Anfahrten", sagte die MBM-Geschäftsführerin. Dadurch sei der Austausch von Projekten ebenso wie die Verpflichtung eines "artist in residence", eines hochrangigen Künstlers oder einer Künstlergruppe für alle drei Veranstaltungsorte, möglich. In diesem Jahr kam "La Chapelle Rhénane", einem Ensemble aus Straßburg (Frankreich), diese Rolle zu.
Klingende Redekunst auf Hochglanz
Dr. Tatjana Mehner, Ostthüringer Zeitung, 26.10.2010
(zum Konzert des Orlando di Lasso Ensembles in Bad Köstritz)
Nicht nur, dass man eine Stecknadel zu Boden fallen hören könnte, während der musikalischen Darbietung. Nein, in der gut gefüllten Bad Köstritzer St. Leonhard Kirche hat sich ein Publikum versammelt, von dem man in so mancher Musikmetropole nur träumen kann. Noch dazu, wenn auf dem Podium ein Spezialensemble für Alte Musik mit einem eher ausgefallenen Programm steht.
Der Hofkapellmeister und seine Zeitgenossen
Hartmut Schütz/Sybille Graf, Dresdner Neueste Nachrichten, 26.10.2010
(zum Konzert des Orlando di Lasso Ensembles in Dresden)
Mit einer eleganten und auf musikalischen Fluss orientierten Aufführung der Stücke erschloss das Orlando di Lasso Ensemble den stilistischen Reichtum der Musik, was die stimmig angelegten wechselnden Besetzungen unterstrichen. ... Spannend war die Unterteilung in drei Gemütszustände: Lachen – Weinen – Küsse. Hier zeigte sich, wie verwandt, ja heutig die Gefühlswelt dieser immerhin 400 Jahre alten Musik ist, deren Vielgestaltigkeit nach wie vor fasziniert.
Der Hofkapellmeister und seine Zeitgenossen
Hartmut Schütz/Sybille Graf, Dresdner Neueste Nachrichten, 26.10.2010
(zum Konzert des Ensembles amarcord und der Cappella Sagittariana in Dresden)
Eindrucksvoll wanderten Melismen durch die Stimmen, entstanden dank des gesanglichen Musizierens der der Cappella Sagittariana funkelnde Verschmelzungen, dank derer etwa in Gabrielis „In Ecclesiis benedicte Domino“ der Klang der Zinken kaum mehr kaum mehr vom Sopran zu unterscheiden war und die Obertöne schimmerten. In schön korrespondierender Bewegtheit und stets textorientierter Interpretation, wofür natürlich die perfekte Abgestimmtheit der fünf frisch Echo-prämierten Herren von amarcord eine extrem wertvolle Basis bieten, erklangen neben manch unbekanterem Opus „Renner“ wie Monteverdis „Gloria a 7“ oder Schütz’ „Komm, Heiliger Geist“ aus den Symphoniae sacrae III.
Der Hofkapellmeister und seine Zeitgenossen
Hartmut Schütz/Sybille Graf, Dresdner Neueste Nachrichten, 26.10.2010
(zum Konzert des Vocal Concerts Dresden und der Capella de la Torre in Dresden)
Am Ende standen neben dem titelgebenden jubelnden „Preußischen Alleluja“ von Strobaeus (Dankt Gott an allen Enden), das der Verschonung Königsbergs im Krieg gewidmet ist, Eccards stille Ostermotette „Mein schönste Zier“. Der verhaltene Schluss einer großartigen Darbietung und eines Kraftaktes für den Chor von über eineinhalb Stunden fast unablässigen Singens. Dass das ohne Verschleiß und bei größter musikalischer Energie möglich war, spricht für die Qualität dieser Musik, die mehr Beachtung verdient.
© Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V.