Schütz Damals und Heute

Inflation

Das Kippen und Wippen von Edelmetallmünzen war in der Frühen Neuzeit nicht nur eine beliebte und bekannte Unsitte, es war ein Synonym für Betrug: Gekippte, am Rand beschnittene, und gewippte, durch falsches Wiegen manipulierte Münzen, waren weniger Wert als sie vorgaben.

Die sogenannte Kipper- und Wipperzeit war die größte Inflation in der Geschichte des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 begann in Mitteleuropa eine drastische Münzverschlechterung, die bis 1623 anhielt. Der Ursprung dieser Finanz- und Wirtschaftskrise ist aber bereits Jahrzehnte früher zu suchen.
Im Jahre 1559 kam es in Augsburg zu einem letzten Versuch, dem Reich eine umfassende Münzordnung zu geben. Es wurde zwar der gesetzliche Rahmen für das Gewicht und den Gehalt der Reichsmünzen und deren Kontrolle geschaffen, jedoch wurde der Münzfuß für die mittleren und kleinen Werte zu hoch angesetzt. Die höheren Herstellungskosten für die Prägung der Kleinmünzen wie Groschen, Schillinge, Batzen, Kreuzer, Pfennige und Heller hatte man nicht ausreichend berücksichtigt. Während man bei der Vermünzung von ca. 23 kg Silber in Talern noch einen Gewinn von über 14 ½ Gulden erwirtschaftete, verursachte die Ausprägung der gleichen Summe in 3-Pfennigstücke über 46 Gulden Verlust. Aus diesem Grund waren viele Münzstände gezwungen, den Silbergehalt der Kleinmünzen zu verringern. So kam es, dass bereits vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges der Gehalt der Kleinmünzen deutlich unter den Bestimmungen lag.

Mit dem Ausbruch des Krieges stiegen die Rüstungsausgaben enorm an. Ganz bewusst ging man ab 1622 im staatlich organisierten, großen Maßstab dazu über, die Münzen minderwertig auszuprägen. Als Rohmaterial für die neuen Münzen dienten die noch im Umlauf befindlichen guthaltigen Exemplare. Auf der Suche nach diesen zogen Aufkäufer durch das Land. Von ihren Praktiken leitet sich die Benennung für diese Zeit ab. Mit Hilfe einer Waage (Wippe) wurden die guten Münzen ausgesondert (gekippt). Mit dem so gewonnenen Silber wurden unter Zugabe von Kupfer neue Münzen geprägt. Der hierdurch entstandene Gewinn war so verlockend, dass man den Silbergehalt der Münzen immer weiter verringerte. Schließlich kamen reine Kupfermünzen auf den Markt.

Als Folge des erhöhten Geldumlaufs belebten sich Handel und Verkehr. Die wirtschaftliche Produktion stieg an. Aber auch die Preise der einzelnen Produkte erhöhten sich rapide. Wer die Möglichkeit hatte, die gestiegenen Preise auf seine Kunden abzuwälzen, tat dies. Für Bezieher von Festeinkommen, wie Lehrer oder Rentner, reichte das Geld für den Lebensunterhalt nicht mehr aus.
Um die ständig steigende Inflation wieder in den Griff zu bekommen, begann die Obrigkeit in den Jahren 1623/1624 wieder zur alten Reichsmünzordnung zurückzukehren. Die umlaufenden Kippermünzen wurden für ungültig erklärt und eingezogen. Gleichzeitig wurde neues gutes Geld geprägt und in Umlauf gegeben. Der hierbei entstehende immense Münzverlust ging zu Lasten der staatlichen Kassen.


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